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~ Autorenblog von Fabian Dombrowski ~

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Donnerstag, 27. Juli 2017

Woher der schweigende Stillstand rührt!




Ein Geständnis: Es gibt ein kleines Problem mit den aktuellen Projekten. Das betrifft sowohl das beinahe abgeschlossene Rohmanuskript meines Romans (94,887 Wörter im Moment), aber auch z.B. die Auswertung der Steampunkakten Asien und diverse vor mir liegende Kurzgeschichten-Projekte.

Mein Leben steht Kopf.

Jemand unglaublich Wichtiges ist mir abhandengekommen. Es ist ein Alptraum, den ich nie hätte kommen sehen und vielleicht auch nie habe kommen sehen wollen. Vor beinahe drei Jahren fand ich sie. Vorher habe ich nicht gewusst, wie unvollständig ich war - jetzt fällt mir die Vorstellung schwer, dass die Zukunft wieder davon geprägt sein wird, erneut in diese Unvollständigkeit zurückzukehren. Noch ist nicht alle Hoffnung verloren. Zumindest verweigere ich mich der Möglichkeit, sie könnte vollkommen vergebens sein.

Das klingt reichlich ominös. So ist es auch gemeint. Soll draus schlau werden, wer will. Die Leute, auf die es ankommt, wissen es schon zu verstehen - ansonsten werden sie sicher an der richtigen Stelle die rechte Frage stellen.

Hier soll über die Konsequenzen dieses Verlustes kurz gesprochen werden, denn im Zweifelsfalle betreffen sie die Leser dieses Blogs. Die Auswertung der Steampunkakten zieht sich furchtbar in die Länge und Deadline halte ich gerade so oder sie ziehen mit Douglas Adams liebstem Wuuushh-Geräusch vorbei (meine HerausgeberInnen retteten die Lage bisher aber immer galant).

Mir tut das leid. Ich spanne hier einige auf die Folter und beschwere einige gut durchdachte Zeitpläne mit meinem emotionalen Tief. Das ist unfair, weil im Grunde niemand etwas dafür kann. Es gibt keine Schuldigen und die Hexenjagd danach brächte niemanden weiter. Meist sind solche Anklagen gegen Mitmenschen doch auch nur eine Ausflucht sich nicht mit dem eigentlichen Problem zu beschäftigen. Und das Problem ist, dass mir die Situation zurzeit mehr Kraft raubt und mehr Angst macht als vieles zuvor. Ein essentieller Teil aller Zukünfte, die ich mir vorgestellt oder erträumt habe fehlt und Alternativen bleiben weiterhin unvorstellbar. Damit umzugehen oder auch nur ein generelles Wohlfühlen im Alltag herzustellen liegt in weiter Ferne. Himmel, so etwas wie ‚Alltag‘ überhaupt erscheint mir als äußerst fremdartiger Gedanke.

Aber nun genug Geschwurbel und stattdessen Konkretes:

(1.) Ich werde mich bemühen alle Kurzgeschichten fristgerecht fertig zustellen, denen ich zugesagt habe. Das wird ein harter Ritt. Gerade, weil die nächste Abgabe in wenigen Tagen wartet. Einiges an Material ist geschrieben, jedoch fehlt mir sozusagen wortwörtliche meine Muse.

(2.) Ich werde versuchen möglichst schnell mit der gebührenden Aufmerksamkeit durch die zweite Hälfte der Einreichung durch die Steampunkakten zu gehen. Ob es regelmäßige Updates auf Facebook wie bisher geben wird, kann ich nicht versprechen. Ich fände es schön, dass zu schaffen. Solch offene Kommunikation fehlt uns als Szene zu sehr und auch die daraus entstehenden Diskussionen haben vor allem Produktives hervorgebracht.

(3.) Mein Romanmanuskript sollte in den nächsten Wochen fertig werden. Dazu an anderer Stelle mehr. Selbst dann liegt aber noch viel Arbeit vor mir. Schließlich ist es wie alle meine Rohversionen komplett handschriftlich.

(4.) Meine Jobs außerhalb des Literaturbetriebes sollten nicht vernachlässigt werden, genauso wenig wie mein Studium. Das mag dem ein oder anderen kaum auffallen, aber mein Leben ist besonders von der Hybridität zweier Rollen geprägt. Ich bin Autor von Fiktionen und gleichzeitig Historiker, die Trennlinie ist unscharf, aber der fruchtbare Grund für grundsätzlich alle meine Texte. In einer dieser beiden Sphären meinen festen Stand zu verlieren, würde bedeuten, sich auch in der anderen hart auf die Fresse zu packe - und das ist noch die am wenigstens drastische Formulierung.

(5.) Irgendwie mit der Situation klar kommen. Hoffnung leben. Kräfte regenieren. Für Träume kämpfen.

(6.) Sollte Punkt 5 fehlschlagen: Wiederholung von Punkt 5, bis die Welt wieder eingerenkt ist - Alternativplan: Die Welt neu definieren. Warum sich mit Kleinigkeiten begnügen?

~ Fabian, 27. Juli, 21:53


"Gatsby believed in the green light, the orgastic future that year by year recedes before us. It eluded us then, but that’s no matter—tomorrow we will run faster, stretch our arms further . . . And one fine morning—
So we beat on, boats against the current, borne back ceaselessly into the past."


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