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~ Autorenblog von Fabian Dombrowski ~

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Montag, 27. März 2017

Hin und Zurück - Die LBM 2017




Normalerweise bedeutet Leipziger Buchmesse Mittwoch in der Stadt anzukommen und vier bis fünf Tage komplett in der Rolle als Autor aufzugehen, bis es montags zurück in die Heimat geht. Dieses Jahr schrumpfte mein Aufenthalt auf eine deutlich kürzere Zeit. Mancher wäre erleichtert; für mich war es schade. Viele FreundInnen verirren sich nur da (oder höchstens noch zur Buch Berlin) in meine nähere Umgebung und selten ist die Verlagswelt so greifbar, bevor sie wieder für den Großteil des Jahres zu einem digitalen Abbild in den sozialen Medien zusammenfällt. Umso wertvoller also dieser verknappte Ausflug.

Es hat sich schnell gezeigt, wie sehr es sich lohnte. Die überwiegende Zeit zog ich mit Fräulein Chef - also known as Ingrid „ich mag Äxte“ Pointecker - über die Messe. Wie so oft bei unseren Treffen wurde aus sehr kleinen Ideen rasch reife Pläne. Mal sehen wie sie gedeihen - die Verschlusssache begann ähnliche bescheiden. Unsere Runden führten uns erstaunlich wenig durch den Phantastikbereich, aber Leipzig bietet schließlich auch deutlich mehr. Besonders das Antiquariat, sowie die ZeichnerInnen und DruckerInnen in den anderen Hallen sind den Besuch oft wert. Dabei blieben viele Begegnungen flüchtig - was bei diesem Kurztrip leider nicht wundert. Außerdem sind wir ja trotz aller Vergnüglichkeiten beruflich auf der Messe. Die meisten haben an ihren Ständen zu tun und ihre Aufmerksamkeit dauerhaft zu beschlagnahmen (ohne hinter dem Tresen auszuhelfen) oder gerade hier Gruppentreffen abzuhalten ist dem Kontakt mit den LeserInnen selten zuträglich. Viele Begrüßungen wurden damit gleichzeitig Abschiede, da klar war, dass es bei einer kurzen Stippvisite bleiben würde. Doch schmerzt es vor allem bei meinen Verlegern - tut mir leid Torsten, Jürgen, Alfons - nur Glück, dass ich zumindest von Grit Richter und Jens Bolm (und eben Ingrid, wie oben erwähnt) etwas mehr hatte. Nicht zuletzt habe ich die Synticfaye Trudy Wenzel, meine Illustratorin für die Steampunk Akten, viel zu kurz gesehen. Dafür konnte ich ihr aber den 2. Band ihrer Skizzenheft-Reihe abknöpfen. Schon der erste Teil war toll - hier jedoch wird noch eine deutliche Steigerung sichtbar. Vielleicht hat sind für den geneigten Sammler einige Exemplare übergeblieben

Jedenfalls wird meine Anwesenheit im Großen und Ganzen unbemerkt vorüber gegangen sein. Den einzigen Beleg meines Besuchs lichtete Janika Hoffmann ab (siehe rechts). Danke dafür! Danke gleichfalls der Organisation des Fantastischen Independent Lesetags von Acabus, Amrûn und Wölfchen Verlag, sowie dem Team des Darkflower, nicht nur für den Gin Tonic to go für die Rückfahrt, welche viel zu schnell nach der Lesung und einem Gespräch mit der wunderbaren Susanne Pavlovic kam.

Was mich zuletzt noch positiv überraschte war die Fantasy Leseinsel - nachdem Streit der Buchmesse mit Werkzeugs und dem folgenden Zerbrechen der Kooperation hatte ich die schlimmsten Erwartungen. Vermutlich liegt einiges meiner Befürchtungen allerdings darin begründet, dass die dramatische Phase dieses Streits nur äußerst fragmentarisch zu mir durchdrang, da ich mich damals tief in das brandenburgische Niemandsland zurückgezogen hatte. Später waren die Fäden nur schwer zu entwirren. Ich habe mir selbst die Angelegenheit nie komplett nachvollziehbar machen können - jedenfalls nicht so, dass es für eine qualifizierte Meinung ausreichte. Eines ist aber klar: Es war eine enorm kritische und unangenehme Situation für die Phantastikszene auf der Leipziger Messe. Ein Glücksfall, dass PAN hier einsprang. Da wurde Großartiges geleistet - in der Autorenlounge war es wirklich angenehm und diverse Verlage mussten nicht auf die traditionellen Eckstände verzichten. Dennoch fiel auf, dass gefühlt deutlich weniger Publikum den Weg zu uns fand, welches im Schnitt jünger und weniger divers war. Der Eindruck mag jedoch dem kurzen Aufenthalt geschuldet sein - die in der Regel stärksten Andrangzeiten habe ich verpasst. Wo letztlich die Ursache liegen könnte, bräuchte eine Erörterung auf einer breiteren Basis, meine einzelne Perspektive bleibt unzureichend.  Alte Fragen kommen trotzdem hoch: Ob zum Beispiel der Vorteil eines Anlaufpunktes für die Szene als Gesamtheit nicht mit einer gewissen Isoliertheit einen zu hohen Preis fordert - oder ob ein Auflösen dieser Grenzen nicht wünschenswert wäre, um sich bewusst mit dem Rest des Literaturbetriebs zu mischen und zu verflechten, auf die Gefahr hin in dieser Welt vielleicht oder vielleicht auch nicht unter- und verlorenzugehen.
~ Fabian, 27. März, 7:00


Ein Sneak Peak auf kommende Dinge


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