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~ Autorenblog von Fabian Dombrowski ~

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Freitag, 30. Dezember 2016

Rückblick? Einblick! Ausblick ...




Eigentlich hatte ich einen anderen Jahresrückblick geplant. Einen der deutlich mehr Einblick in mein Privatleben außerhalb vom Schreiben oder Wissenschaft gab (Letzteres kam hier zugegebenermaßen bisher kaum vor). Leider spielten mir vor lauter unreflektierter Dankbarkeit auch Einblicke in das Privatleben vieler weiterer Personen mit hinein. Danksagungen an enge Freunde, Kollegen und Bekannte, die doch eher von Angesicht zu Angesicht ausgesprochen werden sollten und nicht ins Internet gehören. Letztlich gingen damit ebenfalls Informationen von diesen Menschen einher, über die ich nicht das Recht habe zu verfügen. Glücklicherweise wurde ich rechtzeitig davon abgehalten. Woher das genau kommt, dass ich mich unbesonnen und völlig überhastet in diese Art von Jahresrückblick gestürzt habe, kann ich nicht wirklich sagen. Und überhastet war es, wie ich den Text zwischen Weimar und Erfurt im Intercity in die Tastatur gehauen habe. Hab ich es getan, weil es eine klassische Geflogenheit zum Jahresende in vielen Teilen unserer Autorenszene ist? Weil ich aufgewachsen in einer Welt von Facebook, Twitter, Instagram mittlerweile total enthemmt bin? Weil ich am Ende deutlich unkritischer bin, als ich so gerne tue? Wahrscheinlich alles ein gutes Stück wahr - doch eine richtige tiefe Analyse will ich an der Stelle gar nicht abgeben. Interessiert die überhaupt irgendwen? Vermutlich genauso wenig, wie es irgendwen gekümmert hätte, was ich da über mein Leben dahinrede.

Eine wichtige Sache ist mir dabei dennoch aufgefallen. Ich habe eine ganze Menge, wofür ich dankbar sein kann. Erst dachte ich, dass einige spärliche Kleinigkeiten zusammenkommen würden. Unter meinen Finger schrieb es sich aber doch recht locker von der Hand und plötzlich kam mehr zusammen, als der Beitrag vertragen hätte, selbst wenn ich ihn tatsächlich veröffentlicht hätte. Das widerspricht meiner Wahrnehmung vom Jahr 2016 komplett. Das ist ja nicht ungewöhnlich. Viele Leute scheinen dieses Gefühl zu teilen und die Anzahl an Memes, Witzen, Anekdoten und Klagen bezogen auf ein einzelnes Jahr mag legendär hoch sein. Diverses davon bezieht sich auf verstorbene Berühmtheiten. Mir ist das größtenteils egal. Das ist Triviawissen. Gestorben wird immer. Mich bedrückt mehr eine politische Lage, in der sich Deutschland anfühlt, als wäre eine Entnazifizierung nicht wirklich geschehen - oder zumindest ziemlich fehlgeschlagen. Dazu kommt noch, wie Dinge im Rest Europas und der Welt stehen. Mich schockt besonders der zunehmend aggressivere und enthemmtere Umgangston unserer Gesellschaft, dieses flächendeckende Pöbeln. Rücksicht, Mitgefühl und Achtsamkeit muten wie romantische Träumereien an. Wie man sich denken kann, schalten Krisen im Privaten und im Job außerdem nicht auf Pause, nur weil die weltpolitische Lage an manchen Tagen eher nach Apokalypse als nach einem Lernprozess aus vergangenen Katastrophen wirkt. Es mag vollkommen natürlich sein, dass persönliche Erfolge in diesem Chaos untergehen. Aber muss das sein? Kann ich das nicht anders haben?

2016 war also einerseits unglaublich stressig. Kraftraubender als ich es mir vielleicht sogar eingestehen will. Andrerseits war es erfolgreich. Meine Forschung zu den Goten ist in meiner Bachelorarbeit gemündet, die mit Bestnoten bewertet wurde. Eine Bewertung, an der ich in der Verteidigung keine Zweifel gelassen habe (immer noch irgendwie überraschend für mich selbst). In meinem Leben als Autor beglückte mich die „Verschlusssache“, die tatsächlich ihren Platz fand und für den Deutschen Phantastik Preis nominiert wurde. Beide Projekte öffneten mir neue Wege. Von denen wird aber an anderer Stelle zu reden sein. Ich bin froh, dass beide Projekte unter dem Stress aus anderen Lebensbereichen relativ wenig gelitten haben. An anderer Stelle mussten Qualität und Produktivität arg zurückstehen - leider auch die Sorgfalt. Vieles fühlte sich an wie Auftragsarbeiten. Spaß funktioniert anders. Das muss sich ändern.

Daher mein hauptsächlicher Plan für das nächste Jahr: Wieder mehr schöne Dinge schaffen. Weniger Hetzen. Auch auf Arbeit - damit Qualität wieder Quantität ablöst. Mehr Herzlichkeit. Mehr Fürsorge. Mehr Verständnis. Ich möchte präziser und geplanter arbeiten, damit mehr Zeit ist zum Durchatmen, für diejenige, die ich liebe, und für wirklich interessante Projekte. Ich habe da so einige Ideen im Kopf ... gerade nach dem mein Job im ERC-Projekt FOUNDMED im Februar/März enden wird. Mein Roman muss jetzt endlich Form annehmen, wo doch schon so viel Material existiert. Außerdem hatte ich den Gedanken mir eine Ein-Foto-pro-Tag-Challenge zu stellen. Mit Video als Medium experimentieren. Mehr zeichnen wäre auch nicht schlecht. Den perfekten Workspace für den perfekten Workflow in kreieren. Wieder Forschung machen, auf die ich richtig Bock habe. Mehr durch Reinickendorf spazieren. Klingt schon wieder nach sehr viel, aber ein großer Punkt soll auch sein, eine Balance zu finden. Wie viel muss ich schaffen? Wie viel kann ich schaffen? Wie viel tut mir gut? Wir werden sehen. Andere Dinge haben vielleicht auch mehr Priorität.

Interessant wäre auch, was mit diesem Blog passiert. Diesen Dezember hat er mehr Beiträge als in seinem ganzen Bestehen vorher gesehen. Glaube ich - gezählt habe ich es jetzt nicht noch mal. Aber interessiert euch eigentlich, was ich hier so schreibe? Würde mich sehr freuen, das mal von euch zu hören. Gibt es etwas von dem ihr mehr erfahren wollt? Beiträge, die ihr gern lesen wollt? Kram, den ihr bisher vollkommen unnötig fandet? Fragen über Fragen. Antworten könnten helfen, dem Letzten-Rastplatz-Blog einen guten Platz im Jahr 2017 zu geben.

Kommt mir bloß alle gut ins neue Jahr. Wir sehen uns auf der anderen Seite!

~ Fabian, 30. Dezember, 16:58

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