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~ Autorenblog von Fabian Dombrowski ~

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Montag, 12. Dezember 2016

Buch Berlin 2016 - Risse in der Filterblase




Vorteile des Herausgeberdaseins
© davidknospe.de
Die Buch Berlin ist vorbei, seit drei Wochen jetzt schon. Dennoch möchte ich hier ein paar Gedanken kurz festhalten. Die Verspätung dieses Blogs müsste ja mittlerweile eine wohl bekannte Tatsache sein, auch wenn das ein Missstand ist, den ich immer noch gerne ausräumen würde, kann ich für die nahe Zukunft doch keine Besserung versprechen. Einerlei, zurück zum Thema.

Die Buch Berlin ist für mich eines der wichtigsten schriftstellerischen Ereignisse des Jahres. Das hat tatsächlich etwas mit der räumlichen Nähe zu tun. Es ist deutlich einfacher zeitlich einzurichten und die Geldfrage stellt sich im Grunde nicht. Dazu kommt natürlich, dass es mal eine nette Abwechslung ist, wenn all die vertrauten Gesichter zu mir kommen, statt das ich ihnen durch die ganze Republik nachjage. Ein wenig Egoismus muss manchmal sein.

Aber Bequemlichkeit ist dann doch nicht der eigentliche Grund, warum die Messe so wichtig ist. Zentral scheint mir eher, dass sie eine traurige Lücke in Berlins Kulturlandschaft schließt, denn so sehr es an jeder Ecke Lesungen gibt, Poetry Slams oder Theater jeder Art, eine echte Begegnungsstätte für LeserInnen, Verlage und AutorInnen fehlt. Manchmal düngt mir, dass bei all der Mühe, eine Botschaft rüberzubringen, das Soziale der Literatur übergangen wird. Dabei soll sie uns doch alle näher zusammenbringen. Die Buch Berlin schafft das.

"Schon wieder springt dieser Irre in die Kamera"
© davidknospe.de
Es ist schön, jedes Jahr einige Gesichter wiederzusehen, sich zu unterhalten, sich auszutauschen. Natürlich tun AutorInnen das auf jeder Messe. Aber der Kontakt zu LeserInnen ist zum Beispiel in Leipzig nicht so stark, obwohl er dort eigentlich im Verhältnis schon sehr stark ist. Nur eben nicht sehr beständig, leider eher flüchtig. Selten sieht man jemanden wieder. Ich genieße das - schließlich erzählt man doch gerade jenem Publikum seine Geschichten, verfasst Texte, damit diese anderen Menschen sich erfreuen. Manchmal vergisst man das. Generell fällt mir auf, dass es mittlerweile oft darum geht die Erwartungen der KollegInnen zu erfüllen, statt alles zu tun den Leserlnnen den best möglichsten Text zu präsentieren. Klar, wird einer jetzt jemand sagen, dass sich diese beiden Welten enorm überschneiden, verschwimmen und vielleicht gar nicht unterscheidbar sind. Was ich einfach sagen will ist: Wir sind alle Kinder unserer Filterblase. Bestätigen und mit Hilfe unserer Gleichgesinnten darin recht zu haben, helfen uns jede Gegenmeinung zu verurteilen, zum Irrtum zu deklarieren und säuberlich vor der Tür zu halten. Wir müssen da raus, andere Perspektiven erkunden. Auf Messen geht das. Und für AutorenInnen gilt sowieso: Es braucht ständig neue Erfahrungen und den Wagemut zum kleinen und großen Abenteur. Das Vertraute muß im Alltag oft genug ertragen. Keiner wurde je in der eigenen comfort zone gut im Schreiben ... oder in irgendwas anderem. Höchstens in der Pflege der eigenen Vorurteile.

Verlegerinnen Duo - Grit Richter und Ingrid Pointecker
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Das sollte jedoch nicht davon ablenken, dass es natürlich auch viel um die Kollegen geht. Leider ist der Umgangston auch hier gefühlt agressiver geworden. Etwas das mich traurig stimmt. Gerade weil es teilweise den Effekt hat, das AutorInnen und Verlegerlnnen den Vordergrund komplett für sich beanspruchen, wo eigentlich unsere Bücher die Frontreihe ausmachen sollten. Nicht, daß die Personen unwichtig sind - aber wir sind ja auf diesen Messen, um diese kleinen Wunder aus Papier, Tinte und Kreativität auf den Weg zum Publikum zu bringen. Vielleicht ist es aber auch die Agression, die in der aktuellen Krise unserer Demokratiefeinde wie die AfD und Trump bescheerte. Der Buch Berlin muss man jedenfalls anrechnen Buch-Menschen eine Platform zum diskutieren gegeben zu haben. Der eigentlichen Messe ging eine Tagung vorraus, welche Gelegenheit zur Debatte gab. Leider habe ich aufgrund von Lehrverpflichtungen nicht daran teilnehmen können. Was ich gehört habe, klingt in den Ohren von jemand, der an jenes seltsame Universitätsleben gewöhnt ist eher fremd. Die Erwartung an eine Tagung dort ist ja, den Diskurs mittels kritischer Vorträge voranzutreiben, welche aktuelle Probleme analysieren - meist unter dem Fokus eines übergreifenden Themas. Hier ging es, glaube ich, mehr um generelle Angelegenheiten und Informationsaustausch. Ob das ein Problem ist, weiß ich nicht. In jedem Fall schien ich nicht der Einzige zu sein, der anderes erwartet hat. Diese Zweifel sollen allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Messe sich gegenüber dem letzten Jahr deutlich verbessert hat. Die Location im Hotel Estrel war ideal - dafür, dass die BVG mal wieder zu kurzfristig Strecken unterbrach, kann niemand was und dafür, dass das Essen zwar sündhaft teuer war, schmeckte es diesmal auch. Am dankbarsten bin ich jedoch dafür, dass die Phantastik gleichberechtigt neben den anderen Genres aufgestellt wurde. Manche hätten sie an den Rand gedrängt.

Verschwörerische Autoren der Verschlusssache
Janika Hoffmann und Melanie Vogltanz
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Ein letzter Dank sei an jene gerichtet, die mir in diesen stressigen Zeiten ein Lächeln entlockt haben. Ingrid Pointecker und ihr Verlobter Michael sind hier als aller erstes zu nennen auch in der angespanntesten Lage weiß man, was man von einander hat. Dann ist da natürlich David Knospe, der mittlerweile zur guten Seele der Gruppe geworden ist. Ohne Lauras Verücktheit würde die übliche Atmosphäre wohl in sich zusammenfallen. Eine übraschend großartige Ergänzung zum Team war auch Janika Hoffmann und das icht nur wegen den seltsamen kreativen Parellelen zwischen ihr und Laura. Für mich war es vor allem ein ruhiger Nachmittag bevor der Messestress richtig zuschlug - das war, was ich brauchte. Es ist gut zu wissen, dass man mit den Verschlusssache-Autorlnnen mehr gemein hat als die einfache Zusammenarbeit am Projekt. Andere sollen auch genannt werden. Jens vom JMB-Verlag ist immer eine Bereicherung. Christian Kathans Selbstvertrauen selbst im Angesicht der größten Tragödien beeindruckte. Und ohne Grit Richter, ihre Messefee Melli, die Steampunk Akten Illustratorin Trudy und Melanie Vogltanz (mir zur Begrüßung eine Flasche Rum in die Hand zu drücken war schon ein geschickter Zug) ist es nicht das Gleiche. Viele werde ich vergessen haben. Sehr vermisst habe ich allerdings Jacqueline Mayerhofer, die wegen Krankheit fern bleiben musste und auch ansonsten zur Zeit nicht von Schicksalsschlägen verschont bleibt. Der letzte Dank gilt wie immer meinem Lieblingsmenschen Jale. Ihr Einsatz hat uns jene schöne Lesung der Ohneohren/Art Skript Phantastik-Truppe bei Coffee Fellows gegeben. Ohne Ihre Begeisterung für diese Veranstaltungen würde es beim Lesen nicht halb so viel Spaß machen.

Das soll es dann auch mit Rückblick auf die Buch Berlin gewesen sein. Sicherlich ein weiterer unkoordinierter und unnötig ausgearteter Beitrag dieses Blogs.

~ Fabian, 12. Dezember, 23:25

Die Autoren WG der Buch Berlin plus Einhorn © davidknospe.de

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